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Kulinarische Brandzeichen: Apfelstrudel goes America

Apfelstrudel

Apfelstrudel

„Kulinarische Brandzeichen“ – also Kindheitsrezepte, kulinarische Erinnerungen, Küchengeplauder  – sucht Barbara zum Geburtstag ihres Blogs Ein Topf Heimat. Eine schöne Idee, finde ich – denn interessanter als das x-te Cupcake-Rezept oder die y-te Quiche sind oft die Geschichten und Geschichtchen rund ums Kochen und Essen. Barbara beschrieb in ihrem Intro zum Blogevent „den ersten Bissen eines Hühnchen Panang während meines Studienjahres in Fullerton bei Los Angeles“. Was für Barbara Thaifood in Kalifornien war, waren für mich Mehlspeisen im Mittelwesten und das erzähle ich immer wieder gerne 🙂

Apfelstrudel ist nämlich exakt das zweite Kuchenrezept, das ich in meinem Leben in Angriff genommen habe.  Auf eine ziemlich verunglückte Torte a la Sacher (ähem, klitschiger Schokokuchen) als Teenie folgte im November 1985 Apfelstrudel. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich mich damals in Monat 3 meines USA-Stipendiums befand und zum „International Students Dinner“ meines Colleges in Wyoming etwas typisch Deutsches beitragen sollte. „Hey, you’re German, you can do Apple Strudel!“ Oookaaay – Apfelstrudel ist österreichisch, aber die grobe geografische Richtung stimmt und das Rezept entspricht allemale eher meinem Geschmack als Sausages & Sauerkraut, die man sonst als „typisch deutsch“ von mir erwartete. Und sooo schwer kann es ja wohl nicht sein, mal eben zehn Apfelstrudel zu produzieren?

Wohlgemerkt: Wir befinden uns im Jahr 1985, in Prä-Internet-Zeiten. Ich habe also mein monatliches Telefongespräch nach Hause vorgezogen und meine Mutter ein Apfelstrudel-Rezept aus ihrem Dr.Oetker-Grundkochbuch rezitieren lassen. Weil die Minute Transatlantik-Gespräch damals gefühlte 20 Dollar kostete, verzichtete ich auf die Zubereitungshinweise und beendete das Gespräch nach der Zutatenliste. Für die Füllung (Äpfel, Rosinen, Zimt, Zucker) erwies sich das auch als ausreichend, aber wie um Himmels Willen bekommt man einen Teig aus Mehl, Wasser, Öl, Semmelbröseln und Butter hin???

Dass Semmelbrösel und Butter AUF, aber nicht IN den Teig gehörten, bemerkte ich dann nach zwei Teigversuchen (und geschätzten sechs Tüten Mehl) auch. Der dritte Teigversuch ergab eine viel zu zähe Masse, die sich kaum ausrollen und schon gar nicht hauchdünn ausziehen ließ – eine Information, die ich einem englischsprachigen Kochbuch über europäische Küche aus der College-Bibliothek entnommen hatte. Oookaaay, kaufen wir also fertigen Blätterteig,  im Mutterland des Convenience-Foods glücklicherweise anno 1985 bereits überall erhältlich. Damit gelang der Apple Strudel dann überraschend gut – jedenfalls waren die zehn Strudel am Ende restlos verputzt. Dass statt Sahne aus der Sprühdose (s.o.: Mutterland des Convenience Foods)  eigentlich Vanillesauce dazu gehört hätte, habe ich für mich behalten – zu deren Zubereitung fehlte mir das Saucenpulver, ein Artikel, den es im Mutterland des Convenience Foods bis heute nicht gibt. Und dass man Vanillesauce „from scratch“ machen kann, war mir damals schlichtweg nicht bekannt.

Wieso ich das alles erzähle? Nun, zum einen wegen Barbaras Blogevent, zum anderen weil ich letzte Woche problemlos einen Apfel- und einen Topfenstrudel nach Rezepten aus dem goldenen Plachutta (AMAZON-LINK) angefertigt habe. 28 zusätzliche Jahre Koch- und Backerfahrung machen also doch einen Unterschied. Allerdings keinen so großen, dass man Vanillesauce „from scratch“ kocht und auf Sprühsahne verzichtet 😉

Mehr zum Thema Strudelgeschichte  (inklusive Rezepten) gibt es hier. Und das Plachutta-Apfelstrudel-Rezept hat CKNT Cooking schon verbloggt. Hinweise zu Plachuttas Topfenfülle gibt es hier. Wenn man den Quarkstrudel (wie von Plachutta empfohlen) in einer Form zubereitet (ich habe zwei 26er Königskuchenformen genommen), dann umgeht man das Problem des Auseinander-Laufens.

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3 Kommentare

  • Antworten
    Jutta
    29. Mai 2014 um 0:24

    Dein Bericht hat mir den Abend versüßt – sehr lustig, wie du mit den Zutaten gekämpft hast. Und dieser Plachutta – ich glaube, ich brauche diesen Typen unbedingt als Bereicherung für meine kleine nette überschaubare Kochbuchecke.

    • Antworten
      gfra
      29. Mai 2014 um 17:23

      Ja, der Plachutta ist eine Bereicherung – aber eine kiloschwere, das Buch hat knapp tausend Seiten 🙂

  • Antworten
    Sabrina
    25. Juni 2014 um 11:29

    Hähä, das kommt mir bekannt vor. Ich hab bei meinem Auslandsaufenthalt in Estland auch mit meiner deutschen Mitbewohnerin überlegt, was man denn typisches deutsches für das „International Food Festival“ im Wohnheim zubereiten könnte, und kamen auf den Nenner russische Eier. Trotz Internet verlief es ähnlich wie bei Dir und endet damit, daß wir die Eier auf dem russischen Tisch platziert haben. Leer wurden sie allemal 🙂

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