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3 In Fundstücke/ Slowcooker allgemein

Honey Garlic Chicken bei tasty: Video-Wunsch & Wirklichkeit

Honig-Knoblauch Huhn fertig

Ich gestehe: Ich bin ein Tasty-Junkie und finde diese knackig-kurzen Rezeptvideos echt klasse. Sogar so gut, dass ich selbst schon Rezepte als „Slowcooker Quickie“ verfilmt habe, äh, habe verfilmen lassen. Manch Rezeptideen finde ich großartig und das Ergebnis war ebenso –  siehe Mozzarella-Hackbällchen in Tomatensauce.  Andere musste man für meinen Geschmack/Kochphilosophie erst einmal um Fertigsaucen, Konservendosen und Würzmixe bereinigen (siehe Taco-Casserole) und in die dritte Kategorie fallen die nicht umsetzbaren/nicht essbaren/fehlerhaften.

Zu denen gehört (leider) das Slowcooker Honey Garlic Chicken. Genau wie das in amerikanischen Slowcooker-Gruppen gehypte One Pot Slow Cooked Chicken Dinner vom One Pot Chef werden hier einfach Hühnchen und Gemüse in den Topf gegeben, mit Sauce übergossen und – voilà – fertig ist das Abendessen ohne jeglich Vor- und Nachbereitung. Das Ergebnis sorgt beim One Pot Chef quasi für orgiastische Begeisterung – ich fand, sein Gericht sah einfach nur blass und lieblos aus. Dagegen glänzt das Tasty-Knoblauchhonig-Hühnchen unter einer braunen Sauce und das gegrillte Fleisch wirkt sehr appetitlich.

One Pot Chef

Der One Pot Chef freut sich wie ein Schneekönig über sein blasses Hühnchen (siehe oben), das Tasty-Gericht (siehe unten) sieht dagegen tatsächlich tasty aus.

Tasty Video

Also auf zum Nachkochen… Dabei fiel mir dann auf, dass im Rezept so einige Ungereimtheiten vorhanden sind, die sich letztendlich irgendwie potenzierten. Und trotz Korrekturen – nach 12 Jahre Slowcooker-Kochen kann man sich die nicht verkneifen – war das Ergebnis letztendlich nicht tasty. Ehrlich – ich werfe sonst kein Essen weg und die Kombi Honig-Knoblauch mag ich eigentlich. Aber hier wanderte der Rest in den Müll. Denn ich mochte es nicht, mein Mann mochte es nicht und selbst Oma, Vertreterin der sparsamen Nachkriegsgeneration, befand, da habe mein Topf aber wirklich schon Besseres produziert…

garlicchicken_1

Der „Versuchsaufbau“: Rohes Fleisch, Möhren und Kartoffeln werden mit Sauce übergossen.

Zeit Tasty-Video (der Wunsch) Meine Küche (die Wirklichkeit)
0:01 Die Sauce wird gerührt aus 1/2 Tasse Honig, 1/2 Tasse Sojasauce, 4 Knoblauchzehen, Chili, Pfeffer und je einem halben Teelöffel getrocknetem Basilikum und Oregano. Ich finde, die italienischen Kräuter passen nicht wirklich dazu. Den Rest habe ich umgerechnet und  verwende 50 ml Honig, 50 ml Sojasauce, zwei Knoblauchzehen, Chili und Pfeffer.
0:11 4 entbeinte Hühner-Oberschenkel wandern in den Topf. Weil keine Topfgröße genannt wird, entscheide ich mich für den 3,5-l-Topf und drei Hühnerbrustfilets (600 g).
0:13 Es werden 450 g kleine rote Kartoffeln, 450 g Minimöhrchen und weitere vier Hühnerschenkel hinzugefügt und alles mit Sauce begossen. Ich gebe etwas weniger Gemüse dazu: 400 g kleine Kartoffeln (nochmals halbiert) und 250 g sehr schmale Möhrenschnitze. Die Saucenmenge scheint mir ausreichend, sie läuft allerdings sofort „durch“ auf den Topfboden.
0:22 Garzeit von acht Stunden LOW oder 4 Stunden HIGH wird eingestellt. Es wird nicht gerührt oder übergossen. Nach 3 Stunden HIGH ist das Huhn schon gut gar, während die Gemüse, die nicht im Sud lagen, noch nicht weich sind. Ich schichte also vorsichtig das Gemüse um.
0:24 450 g rohe grüne Bohnen werden nach 3,5 Stunden HIGH für 30 Minuten auf die anderen Zutaten gelegt. Ich habe schon nach 3 Stunden 250 g rohe Bohnen aufgelegt. Nach 30 Minuten waren die Bohnen absolut ungar und zudem ungewürzt, weil sie nicht mit der Garflüssigkeit in Kontakt kamen. Ich habe weitere 30 Minuten gegart – aber auch das reichte nicht. Ich habe dann die Bohnen vorsichtig abgenommen und sie in der Mikrowelle mit Salz und Butter etwas weiter gegart.
0:33 Das Fleisch wird optional im Backofen überkrustet. Ich habe auf das Grillen verzichtet, da ich Geflügelstücke ohne Haut verwendet hatte – mit wäre wohl besser, weil saftiger/fetter gewesen.
0:35 Es wird angerichtet. „Oh yes“, freut sich der Sprecher. Es wird angerichtet, „oh, no!“ Das Fleisch ist trocken, Möhren und Kartoffeln sind gar, aber unterschiedlich „geschmackvoll“, weil unterschiedlich lange von Sauce durchzogen. Die Bohnen sind fade und hart. Die Sauce ist irgendwie „eindimensional“ und nicht sehr lecker. Die Optik ist okay, außer dass die Sauce abgebunden werden müsste, damit sie tatsächlich an den Zutaten „hängen bleibt“.

garlicchicken_2

So sieht es aus nach vier Stunden: Leider noch ungare, ungewürzte Bohnen…

Disclaimer: Ja, ich gehe unumwunden zu – auch in meinen Rezepten sind natürlich Fehler drin und dieser Beitrag ist Jammern auf hohem Niveau. Ich scheue beim Kochen fast keine Mühe und ich nehme gerne extra Arbeitsschritte auf mich, damit das Essen besser aussieht und schmeckt. Ich koche gerne und seit vielen Jahren, mir gehen also auch schwierigere Kochtechniken gut von der Hand. Insofern ist das Tasty-Rezept für jemand Unerfahrenen, der wenig Zeit und keine überzogenen Ansprüche hat, vielleicht vollkommen okay. Für mich war es das leider nicht 😉

 

 

 

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3 Kommentare

  • Antworten
    Ilka
    9. Februar 2016 um 12:13

    Ich hab das auch so nachgekocht wie in dem Video, allerdings auch mit Hähnchenbrust, gleiches Ergebniss wie bei Dir, war nicht wirklich der Hit in Tüten.
    Die Bohnen hatte ich kurz vorgegart, weil mir irgendwie klar war, dass die in 30 Minuten nicht weich werden.

    Ich hatte dann alles nochmal ordentlich nachgewürzt mit Soyasoße und Chillisoße, dann war es essbar, aber muß ich echt nicht nochmal haben.

  • Antworten
    Gesine Krueger-Zimmermann
    27. März 2016 um 6:19

    Hallo mein erster Schritt in die blog community. Ich lebe in New Zealand und liebe meine slow cookers. Aber ich benutze sie eigentlich hauptseachlich um zaehes Fleish zu „braten“ oder Eintoepfe fuer abends zu kochen. Auch fuer Legumes sind sie sehr gut einzusetzen, besonder fuer Kichererbsen. Ich mache des oefteren Backkartoffeln gemacht ( eingehuellt in aluminium) und die sind sehr gut gewesen. Curries und Suppen lassen sich auch gut vorbereiten. Und ich nehme die Toepfe mit ins Buero und lade meine Kollegen einmal in der Woche ein sich selbst zu bedienen.
    Dein Rezept habe ich gelesen und dachte gleich das die Bohnen sicherlich nicht so schnell weich werden. Ich fand deine Beschreibung des Rezeptes ohnehin besser. Ich mag auch keine Fertigsossen und aehnliches Zeug.
    Ich hoffe das mein Kommentar ein wenig hilfreich ist – das waere schoen. LG Gesine

    • Antworten
      gfra
      27. März 2016 um 9:36

      Wow, eine Wortmeldung aus Neuseeland 😉 Dieses „Slowcooker mit ins Büro“-nehmen ist ein wirklich tolles Konzept – habe ich auch gemacht, so lange ich noch dieses Büro hatte, jetzt arbeite ich ja allein zuhause… Frohe Ostern, Gesine!

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