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Molkerei Söbbeke: Besuch beim Bio-Pionier (Werbung)

Ausgerechnet das biedere Westfalen als Hort der Innovation und Vorreiter für Ideen? Aber sicher doch. Ein Musterbeispiel dafür findet sich sogar bei mir im Kreis Borken, in Gronau. Dort arbeitet die Firma Söbbeke, mit 30 Jahren die älteste Biomolkerei Deutschlands. Zu Zeiten, als „Bio“ vermutlich ausschließlich in schmucklosen Naturkostläden stattfand (und im Bewusstsein er meisten Verbraucher noch gar nicht), stellte Paul Söbbeke 1988 komplett auf Bio um: Nachdem die Lieferkette für die Biomilch stand, wurden erst Biomilch, Sahne und Quark produziert, seit 1992 Bio-Joghurt, seit 1995 Biokäse und später zusätzlich eine breite Palette von Desserts wie Milchreis oder Grießpudding.

Warum ich das alles erzähle? Weil Söbbeke zum Geburtstag Blogger aus der Region eingeladen hatte und ich durfte bei diesem hochinteressanten Blick hinter die Kulissen dabei sein. Wann hat man schon mal Gelegenheit, direkt zuzusehen, wie eine Molkerei arbeitet? Da nimmt man sogar in Kauf, dass man sich mit Häubchen, Kittel und Überschuhen verunstaltet – aber höchste Hygienestandards müssen nun mal sein, wenn Lebensmittel produziert werden.

Betriebsführung in der Biomolkerei Söbbecke

Oben schrieb ich so lapidar „stellte komplett auf Bio um“ – aber zu Bio-Pionierzeiten bedeutet das, dass Paul Söbbeke erst einmal genügend Biomilch auftreiben musste, um diese zu verarbeiten. Noch heute fahren die Milch-Tankwagen zu 160 Betrieben bis weit nach Norddeutschland hinein, um den Rohstoff aufzuholen – natürlich säuberlich  getrennt nach Milch, die nach den Standards verschiedener Bioverbände wie Bioland, demeter, Naturland produziert wird. Denn das ist neben dem eingeschränkten Angebot ein weiterer Knackpunkt von Bio – die einzelnen Label sind nicht 100prozentig kompatibel. In wichtigen Standards stimmen sie überein (Gentechnikfreiheit in der Produktionskette, Begrenzung von Stockstoffdüngern, verbesserte Haltungsbedingungen der Tiere), aber in Details gibt es Abweichungen – zum Beispiel Verbot der Enthornung bei Demeter und die unterschiedliche Zahl zugelassener Zusatzstoffe. Nach welchen Vorgaben die Landwirte der jeweiligen Verbände arbeiten, was Kreislaufwirtschaft ist und was die EU-Öko-Verordnung besagt, erläuterte uns Irene Leifert von Bioland.

Was in jedem Fall allen erzeugten Produkten bei der Biomolkerei Söbbeke gemein ist: Geschmack kommt nicht durch künstliche Aromastoffe, sondern ausschließlich aus  Früchten, natürlichen Aromaölen oder Extrakten (z.B. Orangenöl oder Vanilleschotenextrakt). Zudem sind Konservierungsmittel tabu. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht – zum Beispiel musste Söbbeke erst einmal ein Verfahren entwickeln, wie Joghurt auf Frucht abgefüllt wird, damit das Obst seine leckere Farbe behält. Abfüllen hieß zudem in den ersten Jahren von Hand in (natürlich unbenutzte) Gurkengläser – das Standard-500-g-Glas gab es seinerzeit noch nicht. Heute laufen zig- tausend pro Tag über Schienen und „Wartetische“ von der Abfüllung zur Kommission – ein faszinierender Anblick, begleitet von leichtem Geklapper der Gläser.

Die "Wartetische" in der Biomolkerei Söbbecke

Natürlich hatten wir später auch Gelegenheit, die Söbbeke-Produkte zu verkosten: „Klassische“ Biojoghurt-Sorten, saisonale Spezialiäten wie Pflaume-Walnuss-Kefir und Trendprodukte wie Mango-Maracuja mit Chia.

Joghurt-Verkostung in der Biomolkerei Söbbecke

Nach soviel Süßem schloss der Biokäse den Magen – Käsesorten von mild zu pikant, die nach Münsteraner Sagengestalten benannt sind. Mein Favorit: „Der wilde Bernd“, ein würzig-cremiger Schnittkäse mit roter Rinde, die mit Eichenrinde und Dinkelkorn geschmiert wurde.

Wie ist es bei Euch: Legt ihr bei Milchprodukten wert auf Bio? Oder kauft ihr konventionell im Supermarkt bzw. fahrt zur Milchtankstelle?

Käseanschnitt in der Biomolkerei Söbbecke

Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehen hatte die Biomolkerei Söbbeke meine Bloggerkollegen Denise (Fräulein Ordnung), Felix (Felixkochbook), Lars (Tellerabgeleckt), Leila (Münstermama), Liz (Liz & Jewels), Michael (Salzigsüßlecker), Nicole (Querbeet – natürlich kochen), Patricia (Patces Patisserie),  Tanja (Foodistas), Tina (Küchenmomente) und mich nach Gronau eingeladen. Damit war keine weitere Verpflichtung oder Honorarzahlung verbunden. Dennoch kennzeichne ich diesen Beitrag wegen Verlinkung und Markennennung als Werbung. Fotos: Fred Ferschke & gfra

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2 Kommentare

  • Antworten
    Wendy
    11. Oktober 2018 um 18:22

    Hallo – na – da streiten sich doch möglicherweise die Bio-Molkereien, wer der erste war, Andechser gibt es auch schon ewig:
    https://www.andechser-natur.de/de/bio-molkerei/geschichte
    „In den achtziger Jahren hatte der Ökopionier und Vater von Barbara Scheitz mit der Verarbeitung von Bio-Milch begonnen.“

    • Antworten
      Gabi Frankemölle
      11. Oktober 2018 um 19:27

      Wie bei den Bioverbänden, wo sie sich auch nicht unbedingt immer einig sind 😉

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