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2 In Slowcooker allgemein

Russell Hobbs 3in1 Multikocher: Wie gut ist er?

Hirschfilet im Russell Hobbs 3in1 Slowcooker

Ist sie das, die eierlegende Wollmilchsau, das ultimative Gerät für begeisterte Langsamkocher? Der neue Russell Hobbs Multikocher mit der Modellnummer 25630-56* (eine anderen Namen hat er leider nicht) macht fast den Eindruck: Er kann Slowcooking (auf Stufe High, Low und Warmhalten), er kann temperaturgenaues Sous Vide (Erklärung bei Wikipedia) und er bringt einen externen Temperaturfühler mit, mit dem sich Kerntemperaturen (zum Beispiel in einem großen Fleischstück) messen lassen. Meine ersten Erfahrungen (mit Slowcooking und dem Temperaturfühler) lest ihr im vorherigen Artikel – hier geht es jetzt um gradgenaues Slowcooking und Sous Vide.

Hirschfilet im Russell Hobbs 3in1 Slowcooker

Kochversuch 3: Slowcooking mit Temperaturfühler

Kann man mit dem Multigarer gradgenaues Slowcooking umsetzen? Für dieses Experiment hatte ich mir einen Bauerntopf (Rezept siehe hier) ausgesucht und stellte gleich fest: Im Slowcooking-Modus geht gradgenaue Einstellung nicht – da wählt man lediglich die Kochstufen HIGH oder LOW, aber keine Temperatur. Also Sous Vide Modus – sagen wir mal 4 Stunden bei 85 Grad, wenn ich meine sonstigen Zeit- und Temperaturerfahrungen zugrunde lege.

Temperaturmessung mit dem Kerntemperaturfühler im Russell Hobbs

Nachdem ich diese Werte eingestellt habe, zeigt mir der eingebaute Fühler (ich hatte ihn vorne links eingesteckt) “24 Grad”, also die Ausgangstemperatur meiner Zutaten. Und dann heizt er und heizt und heizt… 2,5 Stunden später ist er schließlich bei 85 und beginnt  ++erst jetzt++ die vier Stunden Garzeit herunterzuzählen. Dabei kocht es hinten links im Topf schon etwas (Temperaturfühler dort eingesteckt, siehe Foto oben: 97 Grad), während es vorne rechts ruhig ist (Temperaturfühler 79 Grad). Was mir 1) beweist, dass Temperaturmessungen in Slowcookern Quatsch und höchstens eine Momentaufnahme sind (siehe auch hier)  und dass 2) der Sous Vide-Modus halt einfach für anderes gedacht ist 😉 Slowcooking für eine bestimmte Zeit bei gradgenauer Temperatur ist also nur möglich, wenn man die Zeit ab Zieltemperatur angibt. Dagegen geht man in “normalen” Slowcooker-Rezepten ja immer von einer Gesamtzeit aus, die auch die Aufheizphase umfasst. 

Kochversuch 4: Sous Vide Garen im Russell Hobbs 3in1-Gerät 

Meine Erfahrung mit Sous Vide (Niedertemperatur im Vakuumbeutel) beschränkt sich auf einige wirklich spektakuläre Fleischstücke in Restaurants. Selbst habe ich diese Kochtechnik – auch mangels eines Vakuumiergerätes – noch nicht durchexerziert. Laut Gebrauchsanweisung des Russell Hobbs 3in1-Garers brauche ich das aber gar nicht. Es wird dort eine Methode mit einem Zipperbeutel vorgestellt, für die ich ein sehr, sehr edles Hirschfilet (siehe hier: Cervena Neuseelandhirsch) opferte. Ob mir das noch leid tun würde?

Nun – zumindest das weitgehend luftleere Verschließen der Beutel gelingt tatsächlich wunderbar, wenn man diese in Wasser taucht. Fleisch und ein paar Kräuter hinein, unter die Oberfläche drücken und das Wasser verdrängt die Luft. Die vier Portionsbeutel stellte ich dann in den praktischen mitgelieferten Halter und den wiederum ins Wasserbad, welches genau 52 Grad haben sollte. Damit hätte es laut Rezept von den Sizzle Brothers die perfekte Temperatur für das zarte Hirschfilet.

Garguthalter für den Russell Hobbs 3in1 Kocher 

Und damit begannen die Schwierigkeiten: Der Temperaturfühler des Gerätes sprang von 53 auf 49 Grad, wieder rauf auf 53, um dann mehr als eine halbe Stunde bei 51 zu bleiben. Mein “normales” Bratenthermometer zeigte sogar nur 49. Ich kippte etwas heißes Wasser dazu (Ergebnis: 54 Grad) und stellte dann die Zieltemperatur ebenfalls auf 54, damit der Garvorgang per Timer endlich beginnen konnte (hallo, irgendwann möchte ich ja auch essen 🙂 – anschließend starteten die angepeilten 90 Minuten. Hmm, ist das immer so aufwändig, allein die “Starttemperatur” für Sous Vide hinzufrickeln?

Hirschfilet Sous Vide gegart

Jedenfalls habe ich das teure Hirschfilet nicht ruiniert: Nach scharfem Anbraten fand ich es sehr lecker, wenn auch für meinen Geschmack zu blutig. Mein Thermometer hatte mir statt 54 Grad Wassertemperatur (laut Russell Hobbs) auch nur 51 “gemeldet”… 

Mein Test-Fazit zum Russell Hobbs 3in1-Gerät

Als normaler Slowcooker ist der Russell Hobbs – wie ich es schätze – gut verarbeitet, gut bedienbar und genau richtig langsam. Die Zusatzfunktionen, die den Mehrpreis gegenüber einem normalen Schongarer rechtfertigen, überzeugen mich nicht wirklich.

Denn was der eingebaute Kerntemperaturfühler macht, schafft auch ein normales Bratenthermometer (wenn man sowieso eines hat). Allerdings bietet der Russell Hobbs natürlich den Komfort,  dass sich das Gerät beim Erreichen der Zieltemperatur auf Warmhalten schaltet.

Nicht reibungslos verlief auch meine Erfahrung mit dem Sous Vide Garen, was ich als ungenau empfand, obwohl doch Sous Vide Garen eigentlich exakt sein soll.  Vielleicht ist es ja meine mangelnde Erfahrung mit dieser Kochtechnik oder doch die mangelnde Genauigkeit der Temperaturmessung im Russell Hobbs? Hat einer von euch das Gerät und kann mir anderes/ähnliches berichten?

Jedenfalls ++eigentlich++ ein gutes Gerät und für jemanden, der viel mit Kerntemperaturen und Sous Vide arbeitet, unter Umständen genau richtig. Aber nachdem ich bereits ein Bratenthermometer besitze und Sous Vide Fleisch nicht wirklich gerne esse: Möchte mir jemand diesen nur zu Testzwecken genutzten Kocher abkaufen (Rechnung und OVP vorhanden)? Angebote an post@slowcooker.de 😉

Disclaimer: Ich habe das Gerät auf eigene Kosten angeschafft und schreibe diesen Artikel unabhängig von Verkäufer oder Hersteller.  * Amazon-Artikelink

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2 Kommentare

  • Antworten
    Manuela Be
    14. November 2019 at 17:55

    Ich habe genau dieses Gerät und kann Deine Erfahrungen beim Temperaturfühler und beim hinbekommen der richtigen Sous Vide Temperatur bestätigen. Beim Sous Vide garen messe ich immer vorher ob ich die notwendige Temperatur durchs Mischen von kochendem und kalten Wasser hinbekomme. Das Wasser sollte immer etwas wärme sein als notwendig denn beim einlegen des Gargutes kühlt es immer noch ab. Den Temperaturfühler finde ich auch ein wenig zu kurz geraten, bei meinem erstes Garexperiment konnte ich ihn nur schlecht in das Bratenstück bekommen, da dieses nicht hoch genug war.

    • Antworten
      Gabi Frankemölle
      15. November 2019 at 6:51

      Danke für die Nachricht, Manuela – beruhigt mich, dass es anderen genauso gegangen ist 😉 Ist also nicht (nur) meine eigene Unerfahrenheit!

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