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Slowi vs. Thermi – das Boeuf-Bourgignon-Battle

Versuchsaufbau: Thermomix gegen Slowcooker

Man hätte diesen Artikel auch “Der Feind in meiner Küche” nennen können. Denn aus meiner Abneigung gegen den Thermomix mache ich eigentlich keinen Hehl. Nein, das ist kein schlechtes Gerät – aber in meinen Augen ein überteuerter Mixer, der zum Kochen missbraucht wird. Und jetzt hat der in der neuen Version TM6 auch noch nen Slowcookmodus und soll einen Crocky ersetzen?

Freundliches Battle: Anjas Thermomix gegen meinen Slowcooker
Auftritt Anja, Bloggerin bei Schwetzchen und stolze Thermomixbesitzerin. Sie schlug mir einen direkten Vergleich vor und reiste 400+ km mit dem Thermomix im Gepäck zu mir – das nenne ich Einsatz! Danke Anja, das war ein tolle Aktion! Und ihr könnt euch schon auf eine verfilmte Wiederholung freuen, dann mit Bolognese und Milchreis oder so…

Das Testrezept: Boeuf Bourgignon mit Möhren und Pilzen 

Und dann standen sie da nebeneinander – ein Crock-Pot Saute mit Scharnierdeckel 4,5 Liter (CSC038X)* für 80 Euro und ein TM6 für 1359 Euro.  2,6 kg mit Duraceramic-beschichtetem Innentopf und 160 W Nennleistung gegen 8 kg mit Edelstahltopf und 1500 Watt.

Versuchsaufbau: Thermomix gegen Slowcooker
Zubereiten wollten wir ein Schmorgericht mit Rindfleisch, Zwiebeln, Speck, Pilzen und Möhren in aromatischer Rotweinsauce: Boeuf Bourgignon ist ein französischer Klassiker, der im Slowcooker bestens funktioniert. Ein Rezept findet sich aber auch auf der Cookidoo-Webseite, dem kostenpflichtigen Thermomix-Portal mit eigens für das Gerät entwickelten Rezepten. 36 Euro kostet die Jahresmitgliedschaft, in deren Rahmen man sich die Anleitungen über Web und WLAN in sein Gerät laden kann. Sprich: Der Thermomix gibt über das Display die Anleitungen, wiegt die Zutaten und man drückt nur noch Weiter-Knöpfe.

 
Foodblogger bei der Arbeit: Schnippeln und fotografieren 😉

Soviel Komfort bietet der Slowcooker nicht: Da muss ich doch tatsächlich das komplette Rezept auf Papier durchlesen und die Zutaten selbst bemessen 😉 Bei der Zubereitung haben wir ansonsten exakt dieselben Produkte verwendet, damit am Ende tatsächlich nur die Kochmethode den Ausschlag beim Geschmack gibt. Die Speckmenge des Originals erschien uns zu hoch (wir haben sie verringert) und den vorgeschlagenen Bund Petersilie kochten wir auch nicht mit – der verliert nach so langer Zeit doch nur Geschmack und sieht im Ragout aus wie grünes Geschnippsel. Unser Rezept sah also folgendermaßen aus: 

Boeuf Bourgignon (Thermomix & Slowcooker Variante)

Boeuf Bourgignon (Thermomix & Slowcooker Variante)

Dieses Thermomix-Rezept haben wir beim Slowcooker vs. Thermomix-Battle gekocht: Anja unverändert, ich habe die Zutatenschritte entsprechend angepasst.

Zutaten

  • 30 g Öl
  • 125 g Speckwürfel, geräuchert
  • 200 g Zwiebeln, geachtelt
  • 800 g Rindernacken, in Stücken (3 cm)
  • 150 ml Rotwein, trocken
  • 2 Nelken
  • 50 g Tomatenmark
  • 50 g Bratenpaste, selbst gemacht (alternativ fertig gekauft)
  • 300 g Rinderfond (beim Slowcooker reichen auch 200 ml)
  • ¾ TL Salz
  • ½ TL Pfeffer
  • 200 g Champignons, geviertelt
  • 300 g Möhren, in Scheiben (2 mm)
  • Petersilie zum Garnieren, Bandnudeln zum Servieren

Zubereitung

Zubereitung im Thermomix

Öl und Speck in den Mixtopf geben und 5 Min./120°C/Stufe 1 dünsten.
Zwiebeln zugeben, Spritzschutz auf den Mixtopfdeckel setzen und anbraten.
Rindernacken, Rotwein, Nelken, Tomatenmark, Bratensaucen-Paste, Rinderfond, Salz und Pfeffer zugeben und Slow Cooking/2 Std./95°C garen.

Champignons und Möhren zugeben und Slow Cooking /1 Std./98°C garen. 30 Minuten vor Ende dieser Zeit Wasser und Salz in einem großen Topf auf dem Herd zum Kochen bringen, Bandnudeln nach Packungsangabe kochen und mit Boeuf Bourguignon servieren, mit Petersilie bestreuen.

Zubereitung im Slowcooker

Zwiebeln und Speck im Slowcooker-Einsatz auf dem Herd hellbraun braten. Einsatz wieder in den Slwocooker setzen.

Restliche Zutaten (auch Gemüse) dazu geben und alles 4 - 4,5 Stunden auf Stufe HIGH schmoren. Mit Bandnudeln servieren und mit Petersilie bestreuen.

Notizen

Bei beiden Zubereitungsarten war die Sauce zu dünn - es empfiehlt sich am Ende Andicken mit angerührtem Mehl (2 EL auf 5 EL Wasser).

Das Kochbattle Slowcooker gegen Thermomix: Wie es ablief

Anja befolgte die von Cookidoo vorgeschlagenen Schritte exakt: Andünsten von Zwiebeln und Speck im Gerät, zwei Stunden Fleisch garen, eine weitere Stunde Möhren und Pilze hinzugeben. Ich stellte zum Anbraten den keramikbeschichteten Innentopf aus dem Schongarer auf den Herd. Anschließend gab ich rohes Rindfleisch und Gemüse zusammen hinzu – nach meiner Slowcook-Erfahrung brauchen Möhren ebenso lange wie Rindfleisch. Das verschaffte mir vier Stunden Ruhe ohne Rühren und Nachlegen.

 Detaileinstellungen Thermomix
Apropos Ruhe: Dass der Thermomix non-stop (also nicht nur beim zwischenzeitlichen Umrühren) Geräusche verursacht, war mir so nicht klar. Gut, bei 20 Minuten Milchreis fände ich das erträglich – aber 3 Stunden Slowcooking bei ständigem Gebrumme in der Küche? Naja… 

Das zwischengeschaltete Stromverbrauchs-Messgerät beim Slowcooker zeigte dauerhaft um 170 Watt. Beim Thermomix schossen die Werte auf 850 bis 950 Watt (anbraten oder anheizen plus rühren), nach Erreichen der Zieltemperatur von 95 Grad  (dauerte eine halbe Stunde) pendelten sie sich auf 200 Watt ein. Den Gesamtstromverbrauch haben wir leider nicht ermittelt – wir hatte nur eines dieser Geräte und konnten daher beide Töpfe nicht dauerhaft überwachen.

Hier der detaillierte Ablauf unseres Kochbattles in Einzelschritten:

ArbeitsschrittSlowcookerThermomix
Schneiden / Zerkleinernmanuellteils manuell, teils im Gerät
Wiegenextern auf Küchenwaageintern im Gerät
Andünsten5 Minuten im herausnehmbaren Innentopf  auf dem Herd10 Minuten im Gerät
Garen4 Std auf HIGH (Fleisch, Sauce & Gemüse)2 Std auf 95 Grad (Fleisch & Sauce)
  1 weitere Std. auf 98 Grad (nachträglich hinzugefügtes Gemüse)
Andicken30 Min. auf HIGH (angerührtes Mehl einrühren)30 Min. (absieben, angerührtes Mehl in Flüssigkeit einrühren, mixen, Fleisch wieder dazu geben) 
insgesamt 4 h 45   3 h 30

Der Thermomix kochte Boeuf  Bourgignon also schneller langsam, allerdings musste man inmitten der Kochzeit Zutaten nachlegen. Dagegen konnte der Slowcooker 4 Stunden komplett unbeaufsichtigt bleiben. Kompliziert gestaltete sich das Andicken im Thermi, da Anja absichtlich keinen Herd benutzte: Feste Bestandteile herausfischen und in einer Schüssel zwischenlagern, Sud erhitzen, andicken und dabei rühren, Fleisch und Gemüse wieder hinein geben.

Vergleich Beouf Bourgignon Slowcooker gegen Thermomix

Slowcooker vs. Thermomix: Und wer kochte leckerer?

Schaut mal auf das Foto oben. Sehr ihr einen Unterschied? Wir nicht wirklich. Beim Boeuf Bourgignon aus dem Slowcooker (links) erkennt man bei genauem Hinsehen noch einige Speck- und Zwiebelstückchen mehr. Das Fleisch aus dem Thermomix (rechts) sieht irgendwie “gekochter” und faseriger aus – ist aber genauso superzart wie das aus dem Slowcooker. Die Sauce aus dem Slowcooker finde ich glatter trotz des “Quirlens” im Thermomix. Aber geschmacklich sind beide Schmorgerichte wirklich gleichwertig und vor allem gleich lecker. Das Rezept wird nochmals gekocht!

Was mich erstaunt hat: Trotz des Rührens hat der Thermomix weder Fleisch noch Gemüse geschreddert. Dagegen hat Anja sicherlich drüber gestaunt, dass der Slowcooker komplett ohne Rühren auskommt und Möhren nach vier Stunden noch kein Matsch sind!

Verkostung Boeuf Bourgignon Verkostung Boeuf Bourgignon

Die Testbilanz  Thermomix vs. Slowcooker

Sind wir ehrlich: Natürlich ist das kein objektiver Vergleich, sondern schon irgendwie Äpfel vs. Birnen. Bei Milchreis hätte der automatisch rührende Thermomix sicherlich gesiegt, bei Cremesuppen auch. Und Dinge wie Dips, Kuchenteig oder Pesto kann ein Slowcooker natürlich gar nicht – er ist halt ein Kochgerät, keine Küchenmaschine.

Er kostet dafür aber auch nur 80 Euro und verbraucht viel weniger Strom.  Für die gegenüber dem Thermomix gesparten fast 1300 Euro produziere ich Dips, Kuchenteig, Pesto mit meiner sowieso vorhandenen Kitchen Aid, püriere mit dem Pürierstab und fahre ansonsten dreimal in Kurzurlaub 🙂 Es ist halt immer eine Frage, was man möchte und wieviel man bereit ist, für gewisse Dinge auszugeben! 

AufgabeSlowcookerThermomix
Geräuschentwicklung 
Zeitaufwand
Bedienung
Energieverbrauch 
Geschmack 

Leichter Boeuf Bourgignon Punktsieg für den Slowcooker, oder nicht? Was meint ihr – würdet ihr den Thermomix-Slowcook-Modus benutzen oder eher nicht?

Disclaimer: Werbung wegen Sichtbarkeit von Marken, unbeauftragt, unbezahlt. Ich werde von keinem der Hersteller gesponsort und habe meinen Slowcooker selbst erworben. Anja ist Thermomix-Repräsentantin. 

* Amazon Sponsorlink

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8 Kommentare

  • Antworten
    Klaus-Peter
    27. November 2019 at 9:37

    Das Vergleichsfoto sagt eigentlich alles – aber gut!
    Wenn man aber bei dem einen Gerät die Möhren “zwischendurch” hinzufügen muss, ist das kein “Starten und vergessen” mehr.
    Die Temperatur des Slowcookers für die Zubereitung würde mich noch interessieren, und wie die Beschichtung des Innentops sich verhält.

    • Antworten
      Gabi Frankemölle
      27. November 2019 at 10:15

      Hi, Klaus-Peter – ich messe eigentlich nie Temperaturen beim Slowcooking, weil die innerhalb des Topfes total differieren. Am Rand-hinten köchelt es ganz sanft (weil da das Heizelement sitzt), vorne sieht man nix… Was bringt es mir da, einmal 97 und einmal 82 Grad zu messen? Mir kommt es auf das Ergebnis an und das passt halt nach so-und-soviel Stunden 🙂
      Diese Duraceramic-Beschichtung ist sehr gut und kratzfest – anders als bei “Anbrattöpfen” anderer Slowcooker-Marken, wo der Innentopf so ein ganz leichtes, empfindliches Ding ist.

  • Antworten
    Susanne Rehmke
    27. November 2019 at 19:57

    Hallo Ihr Lieben, ich besitze 5 Slowi´s dank Gabriele und habe alle ihre Kochbücher. Ich besitze aber auch einen Thermi, und ich liebe ihn weil ich finde Slowi und Thermi sind die perfekte Ergänzung in der Küche. Ich würde mir aber nie den Thermi 6 kaufen wegen des Slowcookens, das kann der Slowi ganz bestimmt viiieel besser (Y) danke für das Battle, lg Susanne

    • Antworten
      Gabi Frankemölle
      28. November 2019 at 10:30

      Aber gerne – hat Spaß gemacht und war lecker 😉

  • Antworten
    Birgit
    27. November 2019 at 20:23

    Tja, ich bin eine Besitzerin beider Geräte……

    Seit über 10 Jahren unterstützt mich das Vorvorgängermodell des aktuellen Thermomix in der Küche. Ich schätze ihn sehr und hoffe, dass er noch lange hält (auf die menügeführten Nachfolger lege ich so ar keinen Wert).
    Im Wunderkessel-Forum bin ich dann auf den Slowcooker und Gabi Frankemölle aufmerksam geworden und nachdem ich mir für kleines Geld den ersten 3,5L-Topf zugelegt hatte, sind mittlerweile zwei weitere hier eingezogen und werden gerade zur Gästebewirtung und in der kalten Jahreszeit oft und gerne genutzt.

    Ich bin mit beiden Geräten glücklich: das eine zaubert spontan eine schnelle Suppe oder Milchreis, ohne dass ich daneben stehen muss, der Slowcooker ist – nach sorgfältiger Essensplanung – einfach eine Wucht, wenn es in unserer Küche um Brühen, Eintöpfe oder Schmorgerichte geht.

    Ich finde es spannend, dass ihr “gegeneinander” angetreten seid. Eine schöne Idee!

  • Antworten
    Gabi Frankemölle
    28. November 2019 at 7:10

    Ich seh es genau wie du, Birgit – kein Gerät kann alles, auch wenn das so gern behauptet wird. Für macnhes braucht man Spezialisten – zum Beispiel einen leistungsstarken Shredder oder einen stromsparenden Langsamgarer 😉

  • Antworten
    Lehmi
    30. November 2019 at 12:21

    Seit ~20 Jahren habe ich beides: TM und Crocky, aber als Konkurrenz zueinander habe ich sie niemals gesehen.
    Mit beiden bin ich bestens befreundet und mag sie nicht mehr missen.
    Euer Vergleichskochen hast du sehr gut beschrieben und das Ergebnis erstaunt mich.
    Für das Gericht würde ich persönlich aber absolut den Crocky vorziehen 🙂
    LG Lehmi

    • Antworten
      Gabi Frankemölle
      30. November 2019 at 18:20

      Ich hätte auch nciht gedacht, dass der Thermi das so gut kann 🙂

    Antworten