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sentimental journey: DDR-Revival mit Soljanka

Einfaches Rezept für Soljanka (Topf und Slowcooker)

Einfaches Rezept für Soljanka (Topf und Slowcooker)

Soljanka ist eine würzige Suppe mit Paprika und viel Fleisch – und allerbeste Resteverwertung für Wurst und Grillfleisch. Die Zubereitung im Slowcooker (hier 6,5 l) ist ganz einfach.

UPDATE 2026: Vor stolzen 18 Jahren habe ich den Beitrag unten geschrieben und Soljanka mag ich nach wie vor supergern. Viele der genannten Blogs gibt es aber (leider) nicht mehr, genauso wie das gute Verhältnis zu einigen Mitgliedern meiner brandenburgischen Verwandtschaft. Dass man von (durchaus berechtigter) politischer Unzufriedenheit auf plumpe AfD-Parolen und stramm rechtes Gedankengut umschwenkt, werde ich wohl nie verstehen.

Soljanka – Restessen und kulinarisches Erbe der DDR

Originalbeitrag 2008: Ich bin zwar lupenreiner “Wessi”, aber manchmal wünsche ich mir die DDR zurück. Nicht, weil ich finde, dasses “drieben” besser war – nein, aus Sentimentalität. Und weil Schnuppschnüss Jutta beim aktuellen Blogevent “Sentimental Journey” genau solche Geschichte hören möchte, erzähle ich sie hier.

In meinen Teenie-Jahren in den 70ern verbrachte ich die Sommerferien üblicherweise bei Oma Anna “in der Ostzone”. Gelegentlich habe ich meine Klassenkollegen, die ins Sauerland-Lager oder nach Rimini fuhren, beneidet. Aber auch ich konnte mit tollen Urlaubserlebnissen aufwarten, die mancher Freundin vermutlich wie aus einer fremden Welt vorkamen: Die ganze Nacht durchgeschwoft bei der Dorfdisco im Gaststättensaal (verboten), nächtliche Rollertour mit der “Schwalbe” zum Baggersee (verboten), Ausflug in Geisterdörfer nahe des Braunkohlentagebaus (verboten), Ausflug in die “Hauptstadt der Republik” (für Wessis ohne An- und Abmeldung bei der Polizei selbstredend verboten). Shoppen hieß damals noch “besorgen” und fand wahlweise gegen Devisen im Intershop (Ananas für die Bowle) oder gegen Ostmark (Wein und Schnaps für die Bowle) im Konsum statt. Mensch, meine Cousins und Cousinen – was konnten die feiern! Und wenn es nicht nur etwas zu trinken, sondern auch etwas zu essen gab, dann war das oft Soljanka. In diese säuerliche Suppe russischen Ursprungs kamen reichlich Fleisch- und Wurstreste und ordentliche Mengen Spreewaldgurken. Dazu gab’s Butterstulle (natürlich Graubrot) oder aufgebackene Schrippen. Musste man die nicht schon eine Stunde nach Kauf aufbacken, weil sie so schnell zäh wurden? Dafür hatten sie Substanz und “hielten vor”…

Weitere warme kulinarische DDR-Erinnerungen hege ich für LPG-Torte mit Goldkrone-getränkten Butterkeksen unter einer Schokoschicht, Hefeklöße mit Blaubeerkompott, den “Schwedeneisbecher” der Cottbuser Milchbar (mit Apfelmus und Eierlikör), Grilletta und Goldbroiler (die Ost-Entsprechungen von Hamburger und Wienerwald-Hähnchen), Würzfleisch im teuren “Hotel Lausitz”, Omas “Frühkassee” mit wenig Huhn und viel Hackbällchen sowie sämtliche Hefe-Blechkuchen meiner Tante. Die backt sie natürlich auch heute noch – aber irgendwie schmeckten sie damals mit Sonja-Margarine und grobem Zucker irgendwie anders, eben wie der Osten 🙂

Rezept für Soljanka, Suppe aus dem Slowcooker

Soljanka

Ergibt: 8 Portionen

Soljanka ist eine würzig-säuerliche Suppe osteuropäischen Ursprungs mit Paprika und viel Fleisch – und allerbeste Resteverwertung für Wurst und Grillfleisch. Die Zubereitung im Slowcooker (hier 6,5 l) ist ganz einfach. Soljanka schmeckt aufgewärmt noch besser. Es lassen sich beliebige Fleisch- und Wurstreste verwenden, also auch Salami, Wiener Würstchen, Hähnchenbrust. Einfach in mundgerechte Stückchen schneiden und Würze entsprechend anpassen.

Zutaten

  • 200 g Schinkenspeck, geräuchert, gewürfelt
  • 200 g Jagdwurst, in Würfeln
  • 400 g Fleisch, gegart (vom Grillen, Braten)
  • 4 Zwiebeln, fein gehackt
  • 4 Paprikaschoten, rot, gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 150 g Tomatenmark
  • 2 EL Ketchup
  • 5 Gewürzgurken, fein gehackt
  • 1 TL Sambal Oelek
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1,5 l Gemüsebrühe
  • 250 ml Gurkenbrühe

Zubereitung

Alle Zutaten in den Keramikeinsatz des Slowcookers geben, gut durchrühren, mit Sambal Oelek oder anderer scharfer Sauce (falls gewünscht ) abschmecken. Etwa 3,5 Stunden auf HIGH oder sieben Stunden auf LOW garen.
Nach Garzeitende (falls nötig) mit Salz und Pfeffer abschmecken. nach Wunsch mit gehackter Petersilie verfeinern und mit einem Klecks saurer Sahne servieren.

Notizen

Wer den herkömmlichen Topf benutzt, brät Speck, Zwiebeln und Knoblauch in etwas Öl glasig. Dann kommen die restlichen Zutaten (bis auf saure Sahne) dazu und werden 30 bis 45 Minuten sanft geköchelt.

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Ich freue mich sehr, wenn du es nachkochst, an Freunde weiter gibst, es in sozialen Netzwerken oder auf deinem Blog teilst. Aber bitte sei fair und gib die Quelle an! Ausdrücklich untersagt ist jegliche Nutzung in kommerziellen Buchprojekten anderer Autoren. Gegen die Verletzung meines Urheberrechts gehe ich mit rechtlichen Mitteln vor.

Rezept für Soljanka, Suppe aus dem Slowcooker

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10 Kommentare

  • Antworten
    rosa
    11. August 2008 at 21:01

    Lecker, Soljanka!

    Ich bin zwar Zonenrandkind, war aber erst nach ’89 das erste Mal in der DDR. In den damals noch sehr ostigen Gasthöfen (launisches Personal, lange Warteschlange, minimale Speisekarte) – hab mir immer Soljanka bestellt, wenn sie auf der Karte stand.

    In Russland wird Soljanka übrigens immer mit Zitronenscheibe drin serviert!

  • Antworten
    Gotorio
    11. August 2008 at 21:49

    Hach, Soljanka. Das ist in der Tat ein Gericht, das es viel zu selten in ordentlicher Qualität gibt. Erst recht nicht im Westen der Republik: Da gibt’s das gar nicht. Weshalb ich bei Reisen im Osten Soljanka in Großhandelsmengen verzehre.

  • Antworten
    Barbara
    12. August 2008 at 8:57

    Schön zu lesen! 🙂

    Soljanka mag ich total gerne: Im Osten habe ich mir immer welche bestellt, dies aber inzwischen aufgegeben, weil sie durch den West-Einfluss echt übel wurde. Ich sage nur: Gesüßte Sprühsahne!!! 🙁

  • Antworten
    Jutta
    12. August 2008 at 13:39

    Nee, watt schön. Soljanka habe ich bewußt noch nicht gegessen, glaube ich. Borschtsch schon – aber das kann ich ja nachholen, Rezept hab ich ja. Die Geschichte ist aber fast noch schöner!
    Vielen Dank für diesen Beitrag und die Teilnahme am Event!

  • Antworten
    Jutta
    12. August 2008 at 13:41

    PS: Schrippen? DDR-Brötchen von Bäcker Süpke probieren! Lohnt sich!

  • Antworten
    Frau Shopping
    17. August 2008 at 10:27

    Warum kein Letscho?
    Ohne Letscho ist es keine Soljanka :omasrezept:

  • Antworten
    howi
    17. August 2008 at 11:21

    Eins irritiert mich:
    In der Zutatenliste stehen 4 große Gwürzgurken gewürfelt, später kommen nochmal 5 Gewürzgurken dazu, die aber bei der Zubereitung keine Erwähnung mehr finden… :-

  • Antworten
    admin
    17. August 2008 at 15:15

    Hallo, Howi – danke für’s Aufpassen – die “zweiten Gurken” waren natürlich überflüssig und ich habe sie gestrichen.

    LG, Gabi

  • Antworten
    Familienfavoriten: Jürgens Quarktorte – mein Käsekuchen
    6. März 2022 at 13:01

    […] – zum Beispiel die Schüttelgurken, den Mohn-Schmand-Kuchen, die Quarkspitzen oder Soljanka. Vielleicht, weil das Hausmannskost in bestem Sinne des Worts ist und bei den Backwerken nicht an […]

  • Antworten
    Rezeptvideo: Soljanka aus dem Slowcooker | Langsam kocht besser
    3. Juni 2026 at 15:09

    […] interessant für den deutschsprachigen Raum ist die Verbreitung der Soljanka in der DDR (hier noch ein eigener Artikel dazu), wo sie durch den kulturellen Austausch mit der Sowjetunion sehr populär wurde. Bis heute ist sie […]

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