Kaspressknödel sind in der Alpenküche clevere Resteverwertung für altbackenes Brot und Käse. Die würzigen Klopse passen solo zu einem Salat oder als Einlage in eine Bouillon.
Österreich als Reiseziel habe ich erst entdeckt, als unser Sohn aus beruflichen Gründen nach Wien umsiedelte. So frei nach dem Motto “Da kann ich später immer noch hin” hatte es mich zuvor nie in die Alpen gezogen. Und überhaupt: Wandern? Wenn ich doch auch durch Macchu Pichu, Angkor Wat oder über den Tafelberg laufen kann? Inzwischen finde ich meinen Dünkel ziemlich doof. Denn Österreich ist wunderschön (ach was!), die Lebensart gefällt mir (ach nee!) und die Küche ist grandios (aha!).
Zutaten aus der Region, ohne Chichi, aber gut verarbeitet – das entspricht absolut meinem Geschmack. Dass die Zutaten einfach – manchmal sogar nur kreativ verwendete Reste – sind, ist neben dem Geschmack ein zusätzlicher Pluspunkt. Auftritt Kaspressknödel: Trocken gewordenes Brot, hart gewordener Käse, Ei und Petersilie sind die simplen Zutaten für diese würzigen Teiglinge, die es oft auf den Almen gibt. Entweder eingelegt in leckere Rindsbrühe (bei mir Gemüsebrühe aus dem Slowcooker) oder als “Sättigungsbeilage” zu Salat. Liebe ich – egal in welcher Form, ich hatte bislang nur kein Rezept dafür.
Das fiel mir auf, als ich vor dem Ferienhaus auf der Spielberg-Alm (siehe oben) saß und bei den Insta-Posts merkte, dass ich an vier von sieben Tagen Kaspressknödel bestellt hatte – zum Beispiel bei der Latschenalm (ein Stunde Fußweg von unserer Hütte entfernt) oder der quasi benachbarten Spielbergalm-Gasthütte. “Hat jemand von euch ein erprobtes Rezept?” fragte ich meine LeserInnen – und ich kriegte eins. Allerdings weiß ich nicht mehr, von wem das kam – sorry dafür und jetzt der verspätete Dank: Klappte wunderbar und schmeckte genauso!
Welche Zutaten benötigt man für Kaspressknödel?
Brotreste wandern bei uns NIE in den Biomüll. Bleibt beim Grillen Baguette übrig oder die Kanten vom Zwiebelbrot, werden Brötchen alt, wandern sie in den Tiefkühler. Und dann gibts irgendwann Semmelknödel mit Pilzsauce oder nun auch Kaspressknödel. Natürlich könnt ihr auch extra Brot einkaufen (helles oder Mischbrot, ohne Körner!) und es einen Tag liegen lassen. In Österreich gibt es sogar extra getrocknetes, bereits gewürfeltes “Knödelbrot” zu kaufen. Das ist allerdings so trocken, dass ihr vermutlich mehr Milch benötigt, damit die Masse zusammen hält.
Wie werden Kaspressknödel zubereitet?
Es könnte nicht einfacher sein: Alle Zutaten (Brotwürfel, Käsestücke, gedünstete Zwiebeln, Petersilie und Eiermilch) werden einfach zu einem Teig vermengt. Schmeckt ihn kräftig mit Salz und Pfeffer ab, die ihr dafür am besten vorab in die Eiermilch mischt. Nach etwas Ziehzeit sollte der Teig so “matschig” geworden sein, dass ihr ihn zwischen zwei Handflächen kräftig zu Knödeln pressen könnt – daher der Name! Klebt die Masse nicht gut zusammen, gebt noch etwas mehr Milch dazu und wartet eine Weile, bevor ihr es erneut versucht.
Die bereits ausgebratenen Kaspressknödel lassen sich gut im Kühlschrank einige Tage aufbewahren, bevor ihr sie in der Super erhitzt. Auch Einfrieren ist möglich.
Kaspressknödel
Kaspressknödel sind in der Alpenküche clevere Resteverwertung für altbackenes Brot und Käse. Die würzigen Klopse passen solo zu einem Salat oder als Einlage in eine Bouillon.
Zutaten
Für die Knödel:
- 1 EL Butter
- 2 Zwiebeln, fein gewürfelt
- 250 g altbackenes Brot (in Würfeln von höchstens 1x1 cm)
- 200 g Bergkäse, geraspelt oder in feinen Würfeln von 5,5x0,5 cm
- 1/2 Bund Petersilie, fein gehackt
- 3 Eier
- 200 ml Milch
- Salz, Pfeffer
- 2 EL Öl zum Ausbraten
Zum Servieren:
- Heiße Gemüse- oder Rindsbrühe
- Schnittlauch
Zubereitung
Die Butter in einem ausreichend großen Topf zergehen lassen und die Zwiebeln darin etwa zehn Minuten (mit Deckel) glasig und weich garen. Beiseite stellen.
Brotwürfel und Käsestücke in eine ausreichend große Schüssel geben, abgekühlte Zwiebelmasse und Petersilie dazu mischen.
Eier und Milch verschlagen, mit Salz und Pfeffer würzen, über die Brotmasse geben und mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Wenn die Knödel danach noch zu trocken sind (also beim Formen nicht zusammen halten), noch etwas Milch dazu geben.
Masse zu zehn Knödeln formen (fest zusammenpressen!) und etwas flach drücken. Öl in einer Pfanne erhitzen, die Knödel bei mittlerer Hitze goldbraun braten.
In die heiße Suppe geben und nochmal fünf Minuten ziehen lassen. Mit Schnittlauch bestreuen.
Notizen
Außer in Suppe könnt ihr die Knödel auch zu Salat servieren, dann mit etwas flüssiger Butter übergießen.










2 Kommentare
Patrick Jobst
17. November 2025 at 4:02Als Österreicher kann ich bestätigen, dass Dein Ansatz mit Brotresten statt industrieller Semmelwürfel geschmacklich besser ist. Vollkornbrot gibt am meisten her. Die Semmelwürfel sind im österreichischen Knödelland dann nicht ganz uninteressant, wenn etwas anderes der eigentlich Star ist. Beispielsweise frische Kräuter plus griechischer Joghurt statt Milch in Serviettenknödeln oder Speck und Kräuter in Tiroler Knödeln.
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